Brauchen wir mehr Feminismus, um wirklich nachhaltig zu leben? [Gastbeitrag]

Von Feminismus und Nachhaltigkeit keine Spur

Bin ich zu dick, falsch angezogen, nicht schön genug? Du kennst diese Fragen, die sich in unserem Kopf häuslich einrichten. Oder? Sie erzeugen einen Druck, unbedingt mal wieder an uns selbst rum zu optimieren.

Ich jedenfalls kenne diese Fragen und habe mich viel zu oft von Werbung und perfekten Bildern verunsichern lassen. Dann habe ich gekauft, was man halt so kauft, um dazuzugehören. In meinem Kopf ein Rollenbild von mir als Frau, dass mich nicht nur viel Geld gekostet hat, sondern auch ziemlich umweltschädlich war und unglücklich gemacht hat.

Zur Beruhigung gab es dann eine Folge GNTM mit allen Werbepausen oder eine Runde im Internet mit tollen Aktionen, Sales und Wohnreportagen. Also noch mehr perfekte, schöne Scheinwelt, die lediglich die Marketingleute und Analysten des Wirtschaftswachstums freut.

Was bleibt, ist immer wenig Zeit und Raum für andere Themen, wie ehrenamtliches Arbeiten, soziales Miteinander oder einfach die Situation von Menschen, außerhalb dieser Scheinwelt wirklich wahrzunehmen. Und damit meine ich wirklich hinsehen und verstehen.

Wir lenken uns alle ständig ab oder lassen es zu, ständig abgelenkt zu werden.

Irgendwann, nachdem ich aus dem Hamsterrad der Selbstoptimierung durch Konsum ausgestiegen bin, bin ich darauf gekommen, dass die Themen Feminismus, Nachhaltigkeit und Frauenrechtsbewegungen sehr eng miteinander in Verbindung stehen. Du fragst dich wie?

Zero Waste Feminismus, Frauenbewegung Nachhaltigkeit, Feminismus Nachhaltigkeit, Ökofeminismus

Nachhaltigkeit, Feminismus &  Frauenrechtsbewegung – wie gehört das zusammen?

Die Definition von Nachhaltigkeit ist das Verständnis, dass die Wirtschaft ein Teil des sozialen Sektors ist und beide zusammen sind Teil der Natur, also unseres Planeten. Mit sozialem Sektor ist dabei Bildung, Gesundheitswesen, Infrastruktur und so etwas gemeint. Stell dir das wie diese russischen Puppen vor, die alle ineinander gesteckt werden.

Um wirklich nachhaltig zu leben, müssen wir begreifen, dass das soziale Miteinander eine sehr viel größere Rolle spielt als der wirtschaftliche Erfolg. Wenn die kleinste Puppe (um bei diesem Bild zu bleiben) immer größer wird, drängt sie auch die anderen immer weiter nach außen. Bis es nicht mehr weiter geht oder bis von den anderen nichts mehr übrig ist.

Ich denke, wir sind uns darüber einig, dass sowohl die Wirtschaft als auch die Gesellschaft innerhalb der Grenzen unseres Planeten bleiben müssen. Die Frage, die ich mir in dem Zusammenhang jedoch stelle, ist, warum erfährt dann der soziale Sektor so wenig Wertschätzung? Warum lassen wir es zu, in einer Gesellschaft zu leben, in der Besitz oder dein Geschlecht deinen Wert auf dem Arbeitsmarkt definiert? Für die Antworten auf die Fragen müssen wir noch einmal kurz etwas tiefer graben.

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Feminismus stärkt das Miteinander statt Nebeneinander

Unsere Welt ist noch immer sehr männlich geprägt. Ja, wir Frauen dürfen mittlerweile wählen und ohne Erlaubnis unserer Männer arbeiten gehen. Aber unser Wirtschaftssystem und auch unser politisches System sind aus einer patriarchalischen Denkweise aufgebaut. Noch immer glauben viele Menschen, dass wir die Natur beherrschen und uns untertan machen können. Dass wir nur die richtige Technik benötigen, um den Klimawandel zu lösen oder gar, dass es diesen gar nicht gibt.

Wenn wir von Erfolg sprechen, dann bedeutet das eine tolle Karriere, viele Arbeitsstunden, ein ständiges Gefühl von Stress. Unser Miteinander ist immer mehr darauf reduziert, die neuesten Klamotten & Handys zu kaufen, die Wohnungen größer werden zu lassen, und um mithalten zu können, immer weiter in die Ferne zu reisen. Mehrfach im Jahr – versteht sich.

Während wir uns also in unserem „Karriere“-Hamsterrad aufhalten, wird der öffentliche Sektor direkt vor unserer Nase immer weiter abgebaut und privatisiert. Krankenhäuser, Altenheime, öffentlicher Nahverkehr, Kunst und Kultur – alles wird dem monetären Erfolg unterworfen und zusammen gespart, wo es nur geht. Die Leidtragenden sind Menschen, die auf genau diese öffentliche Infrastruktur angewiesen sind und die Menschen (überwiegend Frauen), die in den Bereichen arbeiten.

Erkennst du das Muster? In einer nachhaltig lebenden Gesellschaft, die die Grenzen des Planeten respektiert und im Einklang mit der Natur lebt, würde die Definition von Erfolg eher über menschliche Werte und vor allem Ressourcenschonung laufen. Nicht die Menge an Profit oder Besitz wären maßgeblich, sondern das Miteinander, die Gleichheit aller und die Art und Weise wie wir mit der Natur umgehen. Ich mag das Wort Ökofeminismus in dem Zusammenhang.

Der kleinste gemeinsame Nenner, den die Frauenrechtsbewegungen von Anfang an verfolgten, ist, mit traditionellen Strukturen der Verteilung von Macht und Autorität zu brechen. Alle Frauen kämpfen für eine neue, auf Gleichheit und Autonomie zielende Formen des Miteinander.

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Die Frauenbewegung hat wirtschaftlich nie wirklich gesiegt

Bisher wurde schon super viel erreicht, aber Diskussionen wie #metoo und der Gender Pay Gap zeigen, dass wir auch noch viel vor uns haben. Vor allem die Lücke in den Einkommen von 21% zwischen Männern und Frauen ist erschreckend und zeigt, dass die Frauenbewegung wirtschaftlich nie wirklich gesiegt hat. Kann sie auch nicht, solange wir in einer an männlichen Werten und Prioritäten orientierten Welt leben.

Ein Großteil dieses Gender Pay Gap ergibt sich aus der super schlechten Bezahlung von sogenannten „Frauenberufen“. Also genau den Berufen, die das soziale Miteinander definieren. Von Gleichheit und Autonomie von uns Frauen kann also noch keine Rede sein. Solange einige von uns von ihrem Gehalt als Altenpflegerin, Kindererzieherin oder auch Hausfrau alleine nicht leben können, müssen wir alle weiter auf die Ungerechtigkeit aufmerksam machen.

Die Realität sieht tatsächlich noch so aus, dass die Frauen meistens zu Hause bleiben, wenn sie Kinder bekommen oder Angehörige gepflegt werden müssen. Bezahlt bekommen sie das nicht und wirkliche Wertschätzung erhalten sie dafür auch nicht.

Die Frauen, die sich entscheiden Hebamme zu werden, in der Pflege arbeiten oder unsere Kinder unterrichten, verdienen minimal. Wenn die Höhe des Gehaltes den Wert der Arbeit widerspiegelt, dann ist die Wertschätzung für diese sozialen Berufe unterirdisch. Unsere Systeme sind für Wertschätzung gegenüber überwiegend menschlichen Berufen nicht ausgelegt, denn sie fördern nicht das Wirtschaftswachstum. Deshalb gibt auch keine Lobbyisten, die sich dafür stark machen. Das müssen wir schon selber machen und ich denke, dass wir das auch schaffen.

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Durch Feminismus können wir eine nachhaltige Zukunft fördern

Johanna Dohnal, eine österreichische Politikerin und Feministin sagte: „Die Vision des Feminismus ist nicht eine „weibliche Zukunft“. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.“

Alleine zu diesem Satz von Johanna Dohnal könnte noch so viel gesagt werden. Männerbündelei und Weiblichkeitswahn begegnen uns andauern. Langsam dämmert es aber auch immer mehr Menschen, dass niemand kommen wird und die Klimakrise und damit unsere gesellschaftlichen Probleme lösen wird. Das müssen wir schon selber hinbekommen.

Womit wir anfangen könnten, wäre etwas mehr Freiheit und Mut, das zu fordern, was uns zusteht. Also Freiheit, im Sinne von weniger konsumieren und finanzieller Freiheit, eine Befreiung von den eindimensionalen Frauenbildern der Werbung und Freiheit durch einen bewussteren, achtsamen Lebensstil. Wir müssen uns nicht ablenken durch Konsum und Selbstoptimierung.

Dem Hamsterrad von mehr-arbeiten-und-mehr-ausgeben zu entkommen, bedeutet, dass wir uns zum Beispiel auch Zeit nehmen könnten, um uns ehrenamtlich zu engagieren. Wir könnten ein Leben aufbauen, das nachhaltig ist und uns die Freiheit gibt, uns stark zu machen für mehr Frauenrechte und Gleichberechtigung.

Wir brauchen aber auch Mut, um zum Beispiel bei der nächsten Gehaltsverhandlung, nicht hinter den Jungs zurückzustecken. Mut, ist auch hilfreich, um sich gegen Ungerechtigkeit und für mehr Wertschätzung einzusetzen. Einen Protest mitzugehen und seine Meinung zu sagen, ist mutig. Mut, um sich auf Neues einzulassen, und damit zum Vorbild für andere zu werden.

Was kommt als Nächstes?

Was wir dringend brauchen, sind mehr Vorbilder. Du kannst zum Beispiel ein Vorbild sein, in dem du dich bewusst dazu entscheidest, weniger zu konsumieren. Lass dich nicht länger ablenken von den Werbeversprechen und den angeblich perfekten Leben anderer, was irgendwie immer mit Konsum zusammen hängt. Entscheide dich lieber achtsam und nachhaltig zu leben und mache dich stark für eine menschliche Zukunft.

Über die Gastautorin

Ende 2017 habe ich über ein Coaching den Weg zu meinem Herzensthema Natur & Nachhaltigkeit gefunden. Statt immer mehr Geld und Zeit für einen Lebensstil auszugeben, der Statussymbole anhäuft, Erfolg über unseren Besitz definiert und ziemlich ungesund für uns und die Umwelt ist, bin ich über Plastik- und Konsumfasten zu Mindful Zero Waste gelangt. Dabei geht es um eine Lebenseinstellung, die die Umwelt schont und gleichzeitig eine neue Art von Wohlstand bringt, ohne kompliziert und perfektionistisch zu sein. Auf meinem Blog teile ich meine Erfahrungen und mein Wissen, um anderen Frauen zu zeigen, welche Wege es gibt, um nachhaltig und im Einklang mit der Natur und sich selbst zu leben.

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