Nachhaltige Sonnencremes? Darauf solltet ihr achten!

Seit ich Naturkosmetik verwende, beschäftigt mich jeden Sommer wieder dasselbe Thema: welche Sonnencreme ist die beste? Welches Produkt schafft es, keinen weißen Film auf der Haut zu hinterlassen, ohne dabei schädlich für meinen Körper oder die Umwelt zu sein?! Und welche Inhaltsstoffe sind es eigentlich, die meine Gesundheit oder die anderer Lebewesen gefährden? Nach wochenlanger (ja, richtig gelesen!) Recherche habe ich endlich Antworten auf all diese Fragen gefunden und werde sie heute mit euch teilen…

Sonnencreme Zinkoxid, Sonnencreme Titandioxid, Sonnencreme nano, Naturkosmetik Sonnencreme

Woher kommt der weiße Film?

Ein Problem von Naturkosmetik-Sonnencremes ist, dass sie oft einen weißen Film auf der Haut hinterlassen – gerade bei solchen, die auf den Einsatz von Nanopartikeln verzichten (weshalb das wichtig ist, dazu gleich mehr)! Das liegt daran, dass Naturkosmetik-Sonnencremes physikalisch wirken. Das heißt, sie bilden eine Schicht auf der Haut und reflektieren die UV-Strahlen wie winzige Spiegel.

Ob eine Creme einen weißen Film hinterlässt, lässt sich anhand der Verpackung leider nicht erkennen. Hier sehe ich nur zwei Möglichkeiten: Reviews lesen oder selbst ausprobieren.

Werden vor der Sonnencreme aber verschiedene andere Produkte aufgetragen, kann sich das Anwendungsergebnis dadurch verschlechtern und der weiße Film auf der Haut wird stärker sichtbar, da die oberste Hautschicht dann schon mit anderen Produkten aufgefüllt bzw. verstopft ist. „Das auf der Haut liegende mineralische Zinkoxid reflektiert nun zum Teil auch das sichtbare Licht. Die Reflexion von sichtbarem Licht führt zu einem Weißeffekt auf der Haut“, erklärt Susanne Gans auf dem Speick-Blog [1].

Sonnencreme Zinkoxid, Sonnencreme Titandioxid, Sonnencreme nano, Naturkosmetik Sonnencreme

Nanopartikel

Damit sich Sonnencreme mit mineralischem UV-Filter gut auf der Haut verteilen lässt und der weiße Film ausbleibt, werden die mineralischen Substanzen in manchen Fällen verkleinert. Die dabei entstehenden Nanoteilchen sind zwar umstritten, in Naturkosmetik bislang aber noch nicht verboten – so enthalten zum Beispiel die zertifizierten Naturkosmetik-Sonnencremes von Alverde Titandioxid in Nanoform. Nanopartikel in Kosmetikprodukten sind leicht zu erkennen, denn seit einigen Jahren muss bei deren Verwendung der Zusatz „(nano)“ in der Inhaltsstoffliste stehen.

Zwar können nanoteilige UV-Filter laut Verbraucherzentrale über die gesunde Haut nicht aufgenommen werden. Unklar ist aber, wie sich die Nano-Teilchen auf geschädigter Haut verhalten und in wie weit sie die Umwelt schädigen [2]. Auch auf der Seite des BfR heißt es: „Ob von diesen neuen Nanomaterialien oder Produkten, die solche enthalten, unbekannte Risiken für den Verbraucher ausgehen können, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.“ Weiter heißt es dort: „Nanomaterial [kann] durchaus andere toxische Wirkungsstärken aufweisen oder in andere Organe gelangen als ein Nicht-Nanomaterial.“ [3]

Es gibt schon Studien, die darauf hindeuten, dass von Nanopartikeln bestimmter Stoffe Gefahren ausgehen können: 2012 stellte sich beispielsweise heraus, dass Wasserflöhe an den Nanopartikeln von Titandioxid sterben können. Die winzigen Tierchen gelten als Gradmesser für Umweltgefahren [4].

Titandioxid

Wie gerade schon erwähnt, stellte sich 2012 heraus, dass Wasserflöhe an den Nanopartikeln von Titandioxid sterben können. Auch für Krustentiere kann Titandioxid tödlich sein [5].

Titandioxid steht zudem im Verdacht, krebserregend zu sein [6]. In einem Tierversuch löste Nano-Titandioxid nach Aufnahme hoher Dosen über die Atemwege außerdem Lungenkrebs aus. Dem BFR zufolge ist die Verwendung der Nanoform von Titandioxid in Sonnenschutzmitteln bei bestimmten Sprays daher nicht zugelassen [7]. (Denn bei Sprays ist die Gefahr, diese beim Auftragen einzuatmen, natürlich deutlich größer als bei Cremes.)

Ein weiterer Punkt ist, dass Titandioxid nicht so photostabil (also lichtbeständig) ist wie Zinkoxid, weshalb es in Kosmetik generell nur ummantelt verarbeitet wird.

Ummantelung von Titandioxid mit Siliciumdioxid

Ein Teil des kosmetischen Titandioxids wird mit Siliciumdioxid (SIO2) ummantelt. Laut ECHA verursacht dieser Stoff schwere Augenreizungen, kann bei längerer oder wiederholter Exposition Organschäden verursachen und kann die Atemwege reizen [8].

Ummantelung von Titandioxid mit Aluminiumoxid

Eine andere Möglichkeit ist die Ummantelung mit Aluminiumoxid bzw. Korund (AL2O3). Aluminiumverbindungen stehen allerdings im Verdacht, Alzheimer und die Entstehung von Brustkrebs zu begünstigen. Laut einer Stellungnahme von Eco Cosmetics – einer Firma, die Aluminiumoxid in einem Teil ihrer Sonnencremes verwendet – ist es aber „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unmöglich, dass sich aus diesem Pigment Aluminium löst und in den Körper gelangt“ [9]. Bei meiner Recherche habe ich bisher nichts gefunden, was auf das Gegenteil hindeuten würde.

Wer trotzdem sicher gehen will, dass sich keine Aluminiumverbindungen in der Sonnencreme befinden, sollte auf die Inhaltsstoffe auf der Verpackung achten. Dort findet man sie meistens unter der Bezeichnung „Alumina“ oder aber „Aluminium Hydroxide“. Diese stehen übrigens nicht direkt hinter dem Titandioxid, wie es bei der Deklarartion von Nanopartikeln der Fall ist, sondern eher am Ende der Liste. Alumina ist unter anderem in der Sonnenlotion von Eco Cosmetics und der Vitamin Sonnencreme von Alverde zu finden.

Der Einfachheit halber kann man natürlich auch komplett auf Titandioxid und Sonnencremes, in denen es zum Einsatz kommt, verzichten. Titandioxid verbirgt sich übrigens auch hinter dem Begriff CI 77891.

Sonnencreme nachhaltig, Sonnencreme korallenfreundlich, Sonnencreme umweltfreundlich

Zinkoxid

Während die App Codecheck auf die Risiken von Titandioxid hinweist, stuft sie Zinkoxid (CI 77947) als unbedenklich ein, weshalb ich zunächst sehr verwundert war, als ich herausfand: (Nano)-Zinkoxid kann ebenfalls toxisch auf Algen und Wasserflöhe wirken [10].

Auf der Seite der ECHA, die mir in einem Telefonat vom Umweltbundesamt empfohlen wurde, heißt es, Zinkoxid sei für Wasserorganismen sehr giftig, auch mit langfristiger Wirkung [11]. Auch in der GESTIS-Datenbank finden sich Angaben darüber, dass Zinkoxid für Fisch und Krustentiere tödlich sein kann [12].

Zudem soll dieser Stoff beim Verschlucken und Einatmen möglicherweise schädlich sein und bei längerer oder wiederholter Exposition möglicherweise Organschäden verursachen sowie reproduktionstoxisch sein (also die Fruchtbarkeit oder ungeborene Kinder schädigen können) [11].

Sonnencreme Zinkoxid, Sonnencreme Titandioxid, Sonnencreme nano, Naturkosmetik Sonnencreme

Endokrine Disruptoren (hormonell wirksame Stoffe)

Die meisten konventionellen Sonnencremes basieren auf chemischen UV-Filtern. Diese dringen in die oberste Hautschicht ein und wandeln die UV-Strahlen in Wärmeenergie um. Leider wirken einige dieser Stoffe im Körper möglicherweise hormonähnlich – man nennt sie dann (potentielle) endokrine Disruptoren. Beispiele für solche Inhaltsstoffe sind 4-Methylbenzylidene Camphor und Ethylhexyl Methoxycinnamate.

Zwar gilt hier – wie eigentlich überall – der Spruch „die Dosis macht das Gift“ – der Kontakt mit (potentiellen) endokrinen Disruptoren sollte sicherheitshalber aber so gering wie möglich gehalten werden, denn aufgrund ihrer Wirkweisen können sie in Organismen besonders schwerwiegende Effekte hervorrufen. Dazu zählen vor allem irreversible Schädigungen in der Entwicklung von Organismen sowie die Förderung bestimmter Krebsarten beim Menschen. Auch für die Tierwelt können hormonell wirksame Stoffe gefährlich werden: Geringe Konzentrationen von endokrinen Disruptoren in Gewässern reichen (teils aufgrund additiver Effekte) oft schon aus, um hormonelle Veränderungen auszulösen. Zahlreiche Studien haben beispielsweise gezeigt, dass bei Fischen, die unterhalb von Klärwerkabflüssen leben, Veränderungen der Geschlechtsorgane beobachtbar sind. Der Rückgang des Ostsee-Robbenbestandes durch eine Fortpflanzungsstörung, die auf PCB-Kontaminierungen zurückzuführen ist, ist ein weiteres Beispiel hierfür [13].

Beispiel Ethylhexyl Methoxycinnamate

Ethylhexyl Methoxycinnamate – ein chemischer UV-Filter, der sich unter anderem in der Sun Lotion von Fair Squared findet – und weitere Stoffe stehen auf der sogenannten Prioritätenliste der EU, die dazu dient „diejenigen Stoffe zu bestimmen, die mit Priorität auf ihr gesundheitsschädliches Potential zu untersuchen sind“. Die Aufnahme in die Liste heißt zwar nicht automatisch, dass es sich tatsächlich um einen hormonell wirksamen Stoff handelt – aber, dass es sehr wahrscheinlich so ist [14]. Auch die ECHA gibt zu diesem Stoff an, er sei möglicherweise ein endokriner Disruptor und könne schwere Augenreizungen, Hautreizungen und Reizungen der Atemwege verursachen [15]. In einer Studie mit Brustkrebszellen führte Ethylhexyl Methoxycinnamate zu einem schnelleren Wachstum der Zellen [16].

Wer auf Nummer sicher gehen möchte: Bei zertifizierter Naturkosmetik ist die Verwendung hormonell wirksamer Inhaltsstoffe so gut wie ausgeschlossen (die einzige mir bekannte Ausnahme ist Soja). Auch die App Toxfox hilft an dieser Stelle weiter.

Sonnencreme Zinkoxid, Sonnencreme Titandioxid, Sonnencreme nano, Naturkosmetik Sonnencreme

Fazit & meine Favoriten

Eine wirklich gute Sonnencreme gibt es einfach (noch) nicht. Weder Zinkoxid noch Titandioxid noch chemische UV-Filter wie Ethylhexyl Methoxycinnamate kann ich euch uneingeschränkt empfehlen.

Bei der Wahl einer möglichst umweltfreundlichen Sonnencreme solltet ihr daher auf andere Faktoren wie beispielsweise die Verpackung sowie die restlichen Inhaltsstoffe der Creme achten und danach auswählen.

Ich selbst verwende zurzeit die LSF 30 Sonnencreme von Speick [PR-Sample] auf Basis von Zinkoxid, weil bei dieser für mich das Gesamtpaket stimmt. Sie ist frei von Nanopartikeln, Palmöl und Parfüm und trägt das BDIH-Siegel für zertifizierte Naturkosmetik. Die Formulierung ist vegan und hinterlässt tatsächlich keinen sichtbaren Film auf der Haut. Die Tube besteht aus Bio-Plastik – lediglich der Deckel ist nicht aus nachwachsenden Rohstoffen. Laut Speick kann man sie im gelben Sack oder Plastikmüll entsorgen und sollte am besten vorher Tube und Deckel voneinander trennen.

Im naturnahen Bereich kann ich euch noch die Apricot Sun Lotion von Fair Squared mit LSF 30 empfehlen, die es im Pfandglas zu kaufen gibt. Sie hinterlässt auf der Haut keinen weißen Film. Das darin verwendete Aprikosenkernöl ist aus fairem Handel. Sie enthält allerdings – wie schon erwähnt – Ethylhexyl Methoxycinnamate und darüber hinaus Duftstoffe und Palmöl.

Tipps zum Eincremen

Wenn man die Umwelt schonen möchte, sollte man nicht frisch eingecremt ins Meer springen – auch nicht, wenn die Sonnencreme wasserfest ist. Denn als „wasserfest“ gelten Sonnencremes, die nach zweimal 20 Minuten Aufenthalt im Wasser noch mindestens 50 Prozent ihres Lichtschutzfaktors haben. Die andere Hälfte des UV-Filters kann also im Meer verloren gehen. Und darüber, welche Schäden die verschiedenen UV-Filter in Wasserorganismen anrichten können, habe ich ja oben schon geschrieben. Sonnencreme sollte zumindest einziehen, bevor man im Meer abtaucht – oder aber erst nach dem Baden aufgetragen werden.

Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass mehrmaliges Eincremen die Wirkung des Lichtschutzfaktors nicht erhöht. Es ist trotzdem sinnvoll, sich erneut einzucremen, um den bestehenden Schutz aufrecht zu erhalten. Ist die empfohlene Zeit dann aber abgelaufen, hilft nur eine Sonnenpause, bis die Haut sich wieder erholt hat [2].

Und zuletzt möchte ich euch sowieso ans Herz legen, euch einfach mehr im Schatten aufzuhalten, trotz Hitze schützende Kleidung zu tragen und vielleicht auch über das Tragen eines Strohhuts nachzudenken… Von spezieller (Bade-)Kleidung, die gegen UV-Strahlen schützen soll, möchte ich an dieser Stelle aber noch kurz warnen, denn laut BfR dienen Titandioxid-Nanopartikel derzeit bereits als Schutz vor UV-Strahlung in Textilien [3].

Quellen

[1] Speick-Blog: Speick Sun: Wirkung und Anwendung

[2] Verbraucherzentrale: Sonnencreme: Worauf Sie achten sollten

[3] BfR: Fragen und Antworten zur Nanotechnologie

[4] Zeit.de: Wie umweltschädlich sind Nanoteilchen?

[5] GESTIS-Stoffdatenbank der DGUV: Titan(IV)-oxid

[6] ECHA: Titanium dioxide

[7] BfR: Titandioxid – es besteht noch Forschungsbedarf

[8] ECHA: Silicium dioxide

[9] Eco Cosmetics: Korund (INCI Alumina) in ECO Sonnenschutz

[10] BUND: Nanotechnologie nachhaltig gestalten

[11] ECHA: Zink oxide

[12] GESTIS-Stoffdatenbank der DGUV: Zinoxid

[13] Umweltbundesamt: Endokrine Disruptoren

[14] BDIH: Hinweise zur BUND Studie zu hormonell wirksamen Stoffen in Kosmetika

[15] ECHA: 2-Ethylhexyl trans-4-methoxycinnamate

[16] BUND-Publikation: Der Kosmetik-Check

4 thoughts on “Nachhaltige Sonnencremes? Darauf solltet ihr achten!

Schreib etwas dazu

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.