Neu in Münster: AFAUN

Wie war es, während der Pandemie einen Fair Fashion Store zu eröffnen?

Die Pandemie hat viele kleine und größere Unternehmen hart getroffen – für Münsters ältesten Store für nachhaltige Mode, die „gruene wiese“, kam sie zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Den Fair Fashion Store gibt es seit 2008, 2020 sollte ein zweiter Laden – AFAUN – eröffnet werden. Wie Lars und Simone es trotz erschwerter Bedingungen geschafft haben, das Stadtbild um einen weiteren nachhaltigen Laden zu ergänzen, wollte ich erfahren, und habe mich auf einen Hafercappuccino mit den beiden Inhaber:innen getroffen.

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Es ist Dienstagmorgen, 10 Uhr, als ich mit dem Rad in die Ludgeristraße einbiege. Neben Läden wie Titus und Snipes, in die ich seit Jahren keinen Fuß mehr gesetzt habe, findet sich hier auch AFAUN, die „kleine Schwester“ von gruene wiese, die gar nicht mehr so klein wirkt. Bei meinem ersten Besuch vor etwa einem Monat waren die Kleiderstangen noch spärlich besetzt, inzwischen reihen sich dort eine Menge unifarbener Kleidungsstücke aneinander und in den Regalen findet sich eine beachtliche Auswahl an Sneakers. Damit gibt es in Münsters Innenstadt nun vier Läden, in denen ausschließlich ecofaire Mode verkauft wird.

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In 250 bzw. 750m Luftlinie finden sich die Ladenlokale der anderen, die gruene wiese selbst liegt mit 1,1km am weitesten entfernt, zeigt mir Google Maps an. Lars und Simone wollten – so erzählen sie mir – aber auf keinen Fall in Konkurrenz zu anderen treten. Daher auch das ganz andere Konzept: „Keine Rüschen, keine blumigen Muster“, erklärt Lars. Alles sei eher einfarbig und minimalistisch, gerade geschnitten. AFAUN sei somit auch eher eine Ergänzung zu gruene wiese, bediene eine etwas andere Zielgruppe. Die Gelegenheitsökos, wie ich sie nenne, kommen teils gar nicht explizit wegen der nachhaltigen Materialien in den Laden, sondern in erster Linie wegen der Optik. Das seien stilbewusste Typen, die dann zum Beispiel ein Paar Veja-Sneakers tragen. Dass es ein fairer Laden ist, würde vielen erst auf den zweiten Blick auffallen. Das ist auch ihre Hoffnung: Mit einer anderen Optik mehr Menschen dazu zu bewegen, Fair Fashion zu kaufen.

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Die Idee, einen zweiten Laden zu eröffnen, gab es offenbar schon lange. Seit knapp fünf Jahren stehen die beiden vor dem Problem, nicht genug Ladenfläche für all die Kollektionen zu haben, die man gerne aufnehmen würde. Dann müsse man ein Label zugunsten eines anderen aus dem Sortiment werfen – und selbst wenn ein Label nicht so gut liefe, wolle man das gerne vermeiden; nicht zuletzt wegen der netten Menschen, die dahinter stehen. Herren- und Damenkleidung räumlich zu trennen war auch keine Option, denn die beiden sind große Fans von Unisex-Styles.

Aus diesen Überlegungen entstand das Konzept von AFAUN, dem Akronym für about future and urban nature. 2020 war es dann soweit, der Laden an der Ludgeristraße gemietet, fast fertig eingerichtet – und dann kam die Pandemie. In den ersten Tagen hätten sie sich daher voll und ganz auf den Erhalt ihres ersten Ladens konzentriert, Ware mit dem Lastenrad ausgeliefert und das neue Projekt ein wenig aus den Augen verloren. Irgendwann rückte der Eröffnungstermin näher, doch es fehlte das wichtigste: Die Ware. Einige Labels hätten aus Angst vor Retouren gar nicht erst versendet, andere seien an der Auslieferung in die Innenstadt gescheitert. Und so eröffnete AFAUN mit halb gefüllten Regalen und ohne große Einweihungsparty. Ob sie trotzdem einen schönen Start gehabt hätten, möchte ich wissen. Strahlend bejahen können sie es jedenfalls nicht – wie auch?

Gerne hätten sie etwas mit dem Team zusammen gemacht, vielleicht eine kleine Feier zusammen mit dem veganen Bistro nebenan. Simone scheint sich aber mehr Sorgen um etwas anders zu machen: Die Brands. „Für uns ist es noch mal ein ganzes Stück leichter: Klar, wir hatten Vorleistungen. Aber für die Labels war es so, dass sie gerade alles ausgeliefert hatten, von fast niemandem die Rechnungen bezahlt bekommen haben, und hatten zeitgleich schon die komplette Herbst-Kollektion in Auftrag gegeben und angezahlt“.

Ich frage, was man als Konsument*in für die Fair Fashion Branche tun könne – mehr konsumieren…? Zumindest, sagt Lars, nicht weniger kaufen als man es normalerweise tun würde.

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