Sharing Economy: Was ist das und was bringt das?

Vielleicht kommen euch diese Situationen bekannt vor: Man ist gerade in die erste eigene Wohnung gezogen, will ein Regalbrett aufhängen, besitzt aber weder eine Bohrmaschine noch ein Gerät zum Strom-Testen. Oder man mistet den Keller aus, verkauft das viel zu selten genutzte Raclette-Gerät oder den Schokobrunnen, den man von irgendwem zum Geburtstag bekommen hat, auf dem Flohmarkt, und spätestens zu Silvester vermisst man diese Gegenstände dann doch.

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Die Sharing Economy schafft hier Abhilfe. Die Idee (der Wirtschaft) des Teilens ist eine alte: Schon lange gibt es Bibliotheken und Fahrgemeinschaften. In letzter Zeit kommen immer mehr neue Konzepte dazu: Das Verleihen von Kleidern zum Beispiel, aber auch das Vermieten eScootern oder Umzugskisten.

Der Begriff der Sharing Economy wird in zahlreichen Kontexten und für eine Vielzahl von Ideen genutzt, die nicht immer das gleiche Ziel verfolgen. Die Bundeszentrale für politische Bildung bzw. der Duden definiert ihn wie folgt: „zeitlich begrenzte, gemeinsame Nutzung von Produkten oder Dienstleistungen, die nicht ständig benötigt werden. Das Teilen durch das gemeinsame Nutzen, Tauschen oder Leihen wird meist über Internetplattformen organisiert, findet als privates, auch unentgeltliches Tausch- oder Leihgeschäft statt (z. B. bei Heimwerkergeräten, Ferienwohnungen) oder wird wie das Carsharing überwiegend kommerziell angeboten“ [1].

Die Grenzen verlaufen fließend, eine Mietswohnung zum Beispiel fällt wohl kaum unter den Begriff des Sharings, ein Zimmer für einen Städtetrip, das man über eine Sharing-Plattform gebucht hat, hingegen schon. Geteilt werden können sowohl Gegenstände, wie Bohrmaschinen oder eScooter, als auch Dienstleistungen, wie es beim Ridesharing bzw. -pooling der Fall ist. Und: Es kann auch getauscht werden, beispielsweise ein Shirt gegen einen Rock über die App Kleiderkreisel.

Überblick: Hier wird geshared

  • Büchereien
  • Libararys of things, z.B. Leihothek
  • Carsharing, Radverleih, eScooter-Verleih
  • Ridesharing oder -pooling, z.B. MOIA
  • Kleider-Verleih oder Vermietung, z.B. KLYDA oder FAIRNICA
  • Umzugskisten-Vermietung, z.B. Turtlebox
  • Plattformen zum Anbieten von Unterkünften, z.B. Couchsurfing
  • foodsharing

Unterscheiden kann man dabei grob in…

  • private Kulturen des Teilens, z.B. ein gemeinsamer Gerätekeller
  • Unternehmen, die Gegenstände vermieten, z.B. FAIRNICA
  • Angebote von Kommunen oder staatlichen Hochschulen, z.B. die Stadtbücherei oder Unibibliothek
  • Plattform-Anbieter:innen bzw. -Angebote, z.B. Airbnb

Dabei gibt es auch Mischformen: Ein privates Leihen oder Tauschen wird beispielsweise oft über Plattformen organisiert.

Die Idee der Sharing Economy

„Geld sparen, Platz sparen, Ressourcen schonen und das eigene Leben vielfältiger gestalten“, so beschreibt mir Daniel, der Gründer der Leihothek in Münster, die Vorteile des Geschäftsmodells für seine Kund:innen. Ihm nehme ich das ab – er arbeitet zurzeit ehrenamtlich an der Verwirklichung seines Herzensprojekts, finanziert es aus eigener Tasche. Er hat einen Bezug zu den Dingen, die er verleiht bzw. vermietet – so wie auch Nicola, die Gründerin von FAIRNICA. Sie vermietet Kapseln, bestehend aus 5-8 fair und ökologisch produzierten Kleidungsstücken. Damit möchte sie eine Möglichkeit bieten, das Bedürfnis nach Mode zu stillen, ohne ständig Sachen kaufen zu müssen. Das ist sozusagen ihr Beitrag zu einer grüneren Welt. Unter dem Motto #sharingiscaring finden sich bei Instagram 2.9 Millionen Beiträge (Stand 20.06.2020), grüne Influencer:innen bewerben die von Daniel aufgezählten Vorteile und betonen dabei insbesondere den Aspekt des Ressourcenschonens und somit des Klimaschutzes. Aber ist Teilen wirklich immer so nachhaltig, wie es auf den ersten Blick wirkt?

„Uberisierung“ – die Schattenseiten der Sharing Economy

In Anlehnung an die App Uber ist im Kontext des Sharings oft (abfällig) die Rede von „Uberisierung“. Tatsächlich hätten einige Unternehmen das Teilen, das Soziale, durchkommerzialisiert und Arbeitsbedingungen geschaffen, die hinter dem Schleier des „Teilens“ prekär und ausbeuterisch seien, schrieb Patrick Stegemann 2019 für die Bundeszentrale für politische Bildung [2]. Hinter solchen Angeboten stünden zumeist Unternehmen, die mit einem Heer schlecht bezahlter, scheinselbstständiger Arbeitnehmer:innen agierten. Wer sich mit der Definition von Nachhaltigkeit auskennt, weiß, dass diese eine ökologische, eine wirtschaftliche und eine soziale Dimension bzw. Säule hat. Ausbeutung steht klar im Widerspruch zu letzterer.

Airbnb ermöglicht vielen Leuten, Wohnungen zu halten, die sie sich sonst – z.B. wegen einer Trennung – nicht (mehr) leisten könnten. So weit, so gut. Doch Airbnb vermittle inzwischen mehr Übernachtungen als die fünf größten Hotelketten zusammen, und damit seien sie die größte Konkurrenz der Hotelbranche, erläutert Dr. Eva Riempp von der Uni Mainz gegenüber Deutschlandfunk [3]. Natürlich ist das für die Hotelbranche zunächst eine Gefahr. Für die Bürger:innen, die nicht gerade in der Hotelbranche arbeiten, und die Umwelt könnte man die Plattform trotzdem als Chance sehen. Wäre da nicht die Sache mit der Gentrifizierung. In vielen Städten ist bezahlbarer Wohnraum knapp, was eine dauerhafte Vermietungen desselben über Airbnb problematisch macht. „Supervermieter:innen“ inserieren häufig mehrere Wohnungen, die ausschließlich über die Plattform vermietet und damit dem regulären Wohnungsmarkt entzogen werden. Einen detaillierteren Blick hinter die Kulissen des „Systems Airbnb“ verschafft die gleichnamige Doku des WDR (via YouTube).

Ein weiteres interessantes Projekt ist „MOIA“, eine Art Sammeltaxi von VW. Ziel ist es laut Ole Harms, mit MOIA einen Beitrag zur Verkehrswende zu leisten [4]. Eine nicht-repräsentative Umfrage von Report Mainz / ARD zeigte allerdings, dass Dienste wie MOIA oder allygartor shuttle für viele Nutzer:innen scheinbar eher einen Alternative zum ÖPNV als zum eigenen Auto darstellen [4].

Problematisch wird die Sharing Economy also immer dann, wenn profitorientierte Großkonzerne entsprechende Plattformen unter dem Deckmantel des Teilens verwenden oder anbieten – ohne Kenntnis der oder Rücksicht auf die Auswirkungen. Wenn man ein Sharing-Angebot nutzt, sollte man sich daher zuvor fragen: Wer bietet es an, mit welchem (möglichen) Ziel, was sind die Alternativen, wer oder was könnte dadurch vom Markt verdrängt werden und möchte ich das?

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[1] Duden laut Bundeszentrale für politische Bildung

[2] Bundeszentarle für politische Bildung

[3] Deutschlandfunk

[4] Report Mainz / ARD via YouTube

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