In diesem Online-Shop kannst du nichts kaufen

Der Laptop auf dem Foto sieht, nun ja, irgendwie aus wie aus dem vorigen Jahrzehnt. Ist er auch, aber eigentlich hat er nur vier Jahre auf dem Buckel. Ein wenig langsam ist er, zu schwer, um ihn ständig mit zur Uni zu nehmen, und nicht besonders fotogen. Schon im Januar wollte ich deshalb einen neuen (gebrauchten) kaufen. Doch ich habe mich vorerst dagegen entschieden – auch dank eines Onlineshops, in dem man nichts kaufen kann.

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fix our planet

Am 22.08. ist der diesjährige Overshoot Day[i]: Der Tag, an dem wir alle Ressourcen verbraucht haben, die die Erde in einem Jahr wieder erneuern kann. Ab diesem Datum leben wir auf Pump, bzw. auf Kosten der nächsten Generationen. Dieser Tag wurde auch in den vergangenen Jahren in der Grünen Bubble schon fleißig diskutiert. Dieses Jahr sticht ein Profil besonders heraus: „fix our planet“ von refurbed, einem Händler für gebrauchte Elektronik. Mit der Instagramseite von fix our planet und dem dazugehörigen Onlineshop, in dem man nichts kaufen kann, erregt das Unternehmen Aufsehen. Frei nach dem Motto „Konsum stoppen, Bäume pflanzen!“ wird jedes Mal, wenn man auf „Nicht kaufen“ klickt, ein Baum gepflanzt. Dazu ist eine kurze Bestätigung per Mail nötig, nichts weiter. Im Angebot sind Smartphones, Tablets, Jeans und Burger. Daneben sind jeweils CO₂- und Wasserverbrauch aufgelistet, teilweise finden sich weitere Erklärungen: 1.200 l Wasser fallen beispielsweise pro 750 g Haselnusscreme an, „Der jährlicher Flächenbedarf durch den Konsum von Palmöl beträgt 407.000 Hektar (Deutschland)“ steht daneben.

Gegen den Überkonsum

Von 2007 bis 2018 wurden laut Greenpeace 7,1 Milliarden Smartphones produziert – die durchschnittliche Nutzungsdauer wird auf zwei Jahre geschätzt. Und seit der Jahrtausendwende kaufen Konsument:innen doppelt so viele Kleider und tragen sie nur noch die Hälfte der Zeit[ii]. Um diesem Trend etwas entgegenzusetzen, könnte der Kauf von Elektrogeräten oder Kleidung um ein weiteres Jahr verschoben werden, das alte Gerät im Repaircafé generalüberholt oder das Loch in der Jeans geflickt werden. Der Hersteller Nudie Jeans beispielsweise bietet einen Repair-Service an, bei Sneaker Rescue kann man kaputte Sneakers reparieren lassen.

Bei Essen wird das nicht-Konsumieren schon schwieriger, hier sind Alternativen zu tierischen Produkten und exotischem Obst und Gemüse gefragt. Laut Greenpeace werden weltweit etwa 70 bis 80% aller landwirtschaftlichen Flächen für die Produktion von Viehfutter verwendet – muss das sein? Wichtig ist, den Bezug zum eigenen Konsumverhalten herzustellen. Ist es vor diesem Hintergrund zum Beispiel nötig, dass der bzw. die Durschschnittsdeutsche 60kg Fleisch pro Jahr verzehrt[iii] – konkret: Muss es heute wirklich ein Burger mit Fleisch-Patty sein? Wie wäre es stattdessen mit einem Getreide-Patty? Helfen könnte dabei in Zukunft übrigens auch die App imovesmart, die klimafreundlichere Alternativen zu den von den Nutzer:innen eingegebenen Produkten vorschlägt.

Ein erster Schritt zum weniger-Kaufen ist es jedenfalls, sich immer und immer wieder zu fragen: „Brauche ich das wirklich? Ist es die Ressourcen wert?“. So albern es klingt: Es ist hilfreich, um dem Studel an Werbebotschaften zu entkommen. Denn inzwischen werden viele Produkte sogar damit beworben, CO₂- und Wasser zu sparen. Gemeint ist in solchen Fällen natürlich der weniger-Verbrauch im Vergleich zu konventioneller Baumwolle oder „frischen“ (nicht recycelten) Nylon-Fasern. Das Label Organic Basics informiert in seinem Online-Shop auf der Produktseite des Tencel Lite Tees beispielsweise darüber, dass bei der Herstellung 0.89 kg CO₂ prevented, 240 l Wasser conserved und 408 g Chemikalien prevented wurden[iv]. Und es ist auch großartig, dass es diese besseren Alternativen gibt, für den Fall, dass man wirklich etwas Neues braucht. Doch am meisten spart man immer noch mit dem nicht-Kaufen. Im Falle eine Shirts zum Beispiel  15.000 l Wasser und 7 kg CO₂ – deutlich mehr, als man mit umweltfreundlichen Materialien und Färbetechniken sparen kann.

Oft fühlen sich Konsumentscheidungen an wie ein Tropfen auf dem heißen Stein, und manchmal hat man sogar das Gefühl, der Umwelt mit dem Konsumieren etwas Gutes zu tun. Dass dem meistens nicht so ist, wurde für mich durch die Zahlen im fix our planet-Shop greifbar. Ich behalte meinen Laptop also erst mal und habe mich außerdem dagegen entschieden, mir noch ein Fair Fashion Shirt zu bestellen. Stattdessen habe ich heute zwei Bäume gepflanzt.

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Quellen

[i] Overshootday Org

[ii] Greenpeace Faktencheck Konsum, 2018

[iii] Greenpeace Faktencheck Konsum, 2018

[iv] Organic Basics

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