Was ist nochmal das IPCC?

1988 wurde der Zwischenstaatliche „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ins Leben gerufen. Oft wird der Ausschuss für Klimaänderungen auch einfach als „Weltklimarat“ bezeichnet. Sein Ziel ist es zu klären, welche Gefahr vom Klimawandel ausgeht und wie wir darauf reagieren können.

Im Auftrag des IPCC tragen Wissenschaftler*innen aktuelle Forschungsergebnisse zum Klimawandel zusammen. Das heißt, der Weltklimarat forscht nicht selbst, sondern fasst die Aussagen zehntausender Veröffentlichungen in seinen Berichten zusammen. So zeigt er Ursachen, Folgen, Handlungsmöglichkeiten und Anpassungsstrategien auf.

Seit seiner Gründung hat er bereits fünf umfangreiche Sachstandsberichte – sogenannte „Assessment Reports“ – veröffentlicht. Außerdem veröffentlichte er einige Sonderberichte, zum Beispiel den Sonderbericht „1,5 °C globale Erwärmung“.

Im IPCC gibt es insgesamt drei Arbeitsgruppen, die jeweils einen Teilbericht zu den Sachstandsberichten beisteuern. Der erste Teilbericht des sechsten Berichts wurde bereits am 9. August 2021 veröffentlicht (dazu habe ich hier bereits eine Zusammenfassung geschrieben). Am 28.2. wurde der zweite Teil des 6. Sachstandsberichts veröffentlicht.

Ergebnisse des zweiten Teilberichts

270 Expert*innen, darunter 15 aus Deutschland, haben im Kernteam am Beitrag der Arbeitsgruppe II gearbeitet. Der Bericht beschäftigt sich mit Folgen, Anpassung und Vulnerabilität (d.h. Verwundbarkeit) durch und an die Klimakrise. Er soll Möglichkeiten und Wege für die Schaffung einer nachhaltigen, resilienten und gerechten Zukunft für alle aufzeigen.

Heute wurde der Beitrag in einer Pressekonferenz vorgestellt, in der auch Inger Andersen vom UN-Umweltprogramm zu Wort kam. Sie sprach nicht nur Folgen des Klimawandels im Allgemeinen an, sondern auch Aspekte der Klimaungerechtigkeit, insbesondere für indigene Völker. Auch der Bericht befasst sich mit Aspekten der Klima(un)gerechtigkeit: Die Arbeitsgruppe II kommt zu dem Schluss, dass sich die Verwundbarkeit von Menschen gegenüber dem Klimawandel je nach Region, aber auch innerhalb von Regionen, erheblich unterscheidet. Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler*innen u.a. in historischen und teils immer noch bestehenden Mustern von Ungleichheit – beispielsweise Kolonialismus.

Eine große Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel spielt das Konzept der Resilienz. Andersen erklärte in ihrer Rede, die Unterstützung der Natur sei der beste Weg, sich an den Klimawandel anzupassen und ihn zu verlangsamen.

Insgesamt kommt die Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis, dass jede weitere Verzögerung globaler Maßnahmen dazu führt, dass wir das kurze Zeitfenster verpassen, das uns noch die sichere Chance auf eine lebenswerte Zukunft bietet. Die Folgen des Klimawandels werden jedenfalls immer komplexer und schwieriger zu bewältigen.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Über alle Sektoren und Regionen hinweg wurden Fortschritte bei der Planung und Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen beobachtet. System- und Sektor-übergreifende Lösungen, die sich mit sozialen Ungleichheiten befassen, erscheinen den Forschenden vielversprechend. Sogenannte „Fehlanpassungen“, die Probleme verlagern, statt sie zu lösen, und bestehende Ungleichheiten verschärfen, sollten allerdings vermieden werden. Regierungen, Bürger*innen und Unternehmen müssen nun zusammenarbeiten, um ihre Resilienz (also Widerstandkraft gegenüber den Folgen des Klimawandels) zu stärken.

„By bringing together scientific and technological know-how as well as Indigenous and local knowledge, solutions will be more effective“

– Debra Roberts

Besonders wichtig sind die Entscheidungen und Maßnahmen, die im nächsten Jahrzehnt getroffen und umgesetzt werden.

Leak des dritten Teilberichts

Auch der dritte Teil des Beitrags soll noch 2022 erscheinen: Er soll im April 2022 abgeschlossen werden. Teile davon wurden letztes Jahr bereits durch Scientist Rebellion geleakt. Konkret handelt es sich bei dem Leak um den Entwurf einer Kurzfassung von Teil III des neuen Weltklimareports sowie um den Entwurf des ersten Kapitels. Er befasst sich mit Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels. Eigenen Angaben zufolge veröffentlichte die Gruppe den Entwurf, weil Regierungen in der Vergangenheit die Schlussfolgerungen der Berichte verwässert haben, bevor diese veröffentlicht wurden.

Der geleakte Entwurf besagt unter anderem, dass wir massive Investitionen brauchen, um Energiesysteme, Verkehr, Industrie, Landnutzung, Landwirtschaft und Wohnraum umzugestalten. Dem Bericht zufolge liegen die derzeitigen Ausgaben um das Fünffache unter dem, was nötig wäre, um die Erwärmung auf 2°C zu begrenzen.

Der Bericht bestätigt auch Fakten, die wir schon aus Recherchen von Oxfam (wie „confronting carbon inequality“ oder „inequality kills“) kennen: Verantwortlich für den Großteil der Emissionen sind vor allem einige wenige, reiche Menschen und ihr Lebensstil. Die Treibhausgasemissionen unterscheiden sich nicht nur je nach Land erheblich, sondern auch zwischen reichen und armen Menschen innerhalb eines Landes. Konkret bedeutet das: Die reichsten 10 % der Menschheit verursachen 36 bis 45 % der weltweiten Emissionen, während die ärmsten 10 % nur für etwa 3-5 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Auf die obersten 1 % entfallen sogar 50 % der Treibhausgasemissionen des Luftverkehrs.

Die Gruppe Scientist Rebellion findet, dass die Ergebnisse zeigen, dass wir das Streben nach Wirtschaftswachstum aufgeben müssen, was die Grundlage des Kapitalismus sei. In den Bericht kann man zumindest eine indirekte Kritik an unserer aktuellen Wirtschaftsweise hineininterpretieren. Dass sich Tausende von eher privilegierten Wissenschaftler*innen auf etwas „so Radikales“ einigen, zeigt – so versteht es zumindest Scientist Rebellion – den Ernst der Lage.